B1 · Goethe und telc
B1-Prüfung: Goethe oder telc — der Unterschied, der zählt
B1 ist die Stufe, die am häufigsten verlangt wird: für die Einbürgerung, für viele Berufe, für die Ausbildung. Es gibt zwei große Prüfungen dafür, und sie unterscheiden sich nicht im Niveau, sondern in der Bauart. Wer das vorher weiß, wählt richtig — und spart im Zweifel eine Wiederholung.
- Goethe B1: vier Module, je 100 Punkte, ab 60 bestanden
- telc B1: eine Prüfung, 300 Punkte, ab 180 bestanden
- Goethe: Module einzeln wiederholbar
- telc: keine Teilprüfungen
Wofür B1 verlangt wird
Für die Einbürgerung ist B1 seit der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts die Regel. Für die Niederlassungserlaubnis reicht häufig ein geringeres Niveau, B1 wird aber in vielen Fällen verlangt. Für Ausbildung und Beruf ist B1 die übliche Einstiegshürde, für medizinische Berufe und für ein Studium liegt sie höher, meist bei B2. Wer die Anerkennung eines Abschlusses beantragt, sollte sich die Anforderung schriftlich geben lassen: Die zuständige Stelle entscheidet, nicht die Prüfung.
Beide Prüfungen sind dafür anerkannt. Die Wahl hängt nicht davon ab, welche „besser" ist, sondern davon, wie du geprüft werden willst — und was das Zentrum in deiner Nähe anbietet.
Goethe-Zertifikat B1: vier Module, einzeln wiederholbar
Die Prüfung besteht aus vier selbständigen Modulen. Jedes Modul ist eine eigene Prüfung mit 100 Punkten, bestanden ab 60. Du kannst nur Lesen buchen oder nur Sprechen, und ein nicht bestandenes Modul lässt sich einzeln wiederholen, ohne die anderen erneut abzulegen.
| Modul | Aufgaben | Zeit | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Lesen | 30 | 65 Min | fünf Teile, von Blogtext bis Hausordnung |
| Hören | 30 | 40 Min | Teil 1 und 4 werden zweimal gehört |
| Schreiben | 3 Aufgaben | 60 Min | E-Mail, Diskussionsbeitrag, formelle E-Mail |
| Sprechen | 3 Aufgaben | 15 Min | Paarprüfung: planen, präsentieren, Feedback |
Die Bewertung ist gestuft: 90 bis 100 Punkte „sehr gut", 80 bis 89 „gut", 70 bis 79 „befriedigend", 60 bis 69 „ausreichend". Wer alle vier Module besteht, erhält das Zertifikat. Wer nur drei schafft, bekommt eine Bescheinigung über die bestandenen Module — für viele Behörden reicht das nicht, es ist aber der Nachweis, dass nur noch ein Modul fehlt.
telc Deutsch B1: eine Prüfung, ein Ergebnis
Bei telc wird alles an einem Termin geprüft, und es gibt keine Teilprüfungen. Die Gesamtpunktzahl entscheidet: 300 Punkte, bestanden ab 180. Fünf Teile, davon vier schriftlich und einer mündlich.
| Teil | Aufgaben | Zeit | Punkte |
|---|---|---|---|
| Leseverstehen | 20 | 50 Min | 75 |
| Sprachbausteine | 20 | 40 Min | 30 |
| Hörverstehen | 20 | 30 Min | 75 |
| Schriftlicher Ausdruck | 1 Aufgabe | 30 Min | 45 |
| Mündlicher Ausdruck | 3 Aufgaben | 15 Min | 75 |
Noten: 270 bis 300 „sehr gut", 240 bis 269,5 „gut", 210 bis 239,5 „befriedigend", 180 bis 209,5 „ausreichend". Wer die 180 nicht erreicht, hat die gesamte Prüfung nicht bestanden — unabhängig davon, wie gut einzelne Teile waren.
Der eigentliche Unterschied: Sprachbausteine und das Schreiben
telc prüft Grammatik und Wortschatz in einem eigenen Teil, den es bei Goethe so nicht gibt: 20 Aufgaben in 40 Minuten, in denen Lücken im Satz und Wörter in einem Text ergänzt werden. Wer grammatisch unsicher ist, verliert dort Punkte, die ihm beim freien Schreiben nicht wehtun würden. Umgekehrt hat, wer Grammatik sicher beherrscht, hier ein Punktepolster von 30 Punkten.
Beim Schreiben unterscheiden sich die Aufgaben deutlich. Goethe verlangt drei Texte: eine private E-Mail, einen Diskussionsbeitrag mit eigener Meinung und eine kurze formelle E-Mail. telc verlangt einen einzigen Text von etwa 150 Wörtern zu vier Leitpunkten. Wer gut strukturiert, aber langsam schreibt, ist bei Goethes drei Aufgaben im Nachteil; wer sich mit einem Thema schwer tut, aber sauber formuliert, bei telc.
Im Sprechen ist die Form bei beiden gleich — man spricht mit einem anderen Teilnehmenden, nicht mit dem Prüfer. Bei Goethe präsentierst du ein Thema anhand von fünf Folien und gibst anschließend Feedback zum Vortrag des Partners. Bei telc sind es Kennenlernen, ein Thema vorstellen und eine gemeinsame Planung.
Welche Prüfung zu dir passt
- Goethe, wenn du Module einzeln nachholen willst, in einer großen Stadt mit Goethe-Institut oder Prüfungspartner wohnst und mit mehreren kurzen Schreibaufgaben besser zurechtkommst.
- telc, wenn du grammatiksicher bist und das Punktepolster aus den Sprachbausteinen mitnehmen willst, oder wenn du in einer Volkshochschule oder Sprachschule prüfen willst, die telc abnimmt.
- Egal welche, wenn der Empfänger der Unterlagen eine bestimmte Prüfung vorschreibt. Das kommt vor, ist aber selten — frag im Zweifel dort nach, nicht hier.
Wie viel Vorbereitung realistisch ist
Acht Wochen sind eine Orientierung, keine Zusage. Wer von A2 kommt und regelmäßig arbeitet, kommt damit meist hin. Wer seit Jahren wenig Deutsch spricht, braucht länger — nicht wegen der Grammatik, sondern weil das Hören Zeit braucht: Ein Ohr, das schnelle Alltagssprache nicht gewohnt ist, versteht auch im Test weniger, selbst wenn der Wortschatz sitzt.
Ein ehrlicher Maßstab: Wenn du zwei vollständige Prüfungen unter Zeit ablegst und in beiden über der Grenze liegst, ist die Prüfung realistisch. Liegst du einmal darüber und einmal darunter, ist es eine Wette — dann lieber zwei Wochen mehr und gezielt die schwachen Teile.
Anmeldung, Kosten, Termine
Bei Goethe meldest du dich über das Institut oder einen Prüfungspartner an, bei telc über ein Prüfungszentrum — häufig eine Volkshochschule oder eine Sprachschule. Die Gebühren legt das Zentrum fest und unterscheiden sich regional deutlich. Prüfungstermine stehen auf den Seiten der Zentren; in Ballungsräumen gibt es oft monatliche Termine, auf dem Land seltener.
Wo die nächste Stelle ist, findest du über unsere Karte der Prüfungsorte — dort sind die Goethe-Standorte in Deutschland verzeichnet, die telc-Zentren und DTZ-Stellen über die offiziellen Suchen verlinkt.
Der Prüfungstag: vier Dinge, die Übungen nicht abbilden
Die meisten lernen mit Testsätzen am Küchentisch — mit Pausen, mit Wiederholung, mit Blick ins Transkript. Die Prüfung verzeiht das nicht. Vier Unterschiede, die man vorher kennen sollte:
- Hören wird nicht angehalten. Wer eine Aufgabe verpasst, hat sie verpasst. Der einzige Schutz ist, beim nächsten Text sofort weiterzumachen, statt über die vorige Aufgabe nachzudenken.
- Geschrieben wird mit Stift auf Papier. Korrekturen kosten Zeit, und die Handschrift muss lesbar bleiben. Wer nur am Rechner schreibt, sollte mindestens zwei Texte auf Papier üben.
- Gesprochen wird mit einem Fremden. Bei einer Paarprüfung ist der Partner nicht dein Übungspartner: Er spricht vielleicht schneller, leiser oder in einem anderen Dialekt. Die Aufgabe bleibt dieselbe — einbeziehen, nachfragen, anknüpfen.
- Die Zeit läuft in Blöcken. Nach einem Teil wird eingesammelt. Wer im Lesen fünf Minuten zu lange bleibt, verliert sie im Hören nicht wieder.
Der Gegenmittel ist unspektakulär: mindestens zwei vollständige Durchläufe unter echten Bedingungen, ohne Hilfe, mit Zeit und mit Auswertung. Danach weißt du nicht nur, wie gut du bist, sondern auch, wie gut du unter Druck bist — und das sind bei den meisten zwei verschiedene Zahlen.
Wo die Punkte verloren gehen
- Lesen bei Goethe, Teil 3: sieben Situationen, zehn Anzeigen, eine bleibt übrig. Wer alle Anzeigen gründlich liest, braucht zu lange. Erst die Situation, dann gezielt suchen.
- Hören, Teil 1 bei Goethe: zwei Aufgaben pro Text. Der häufigste Fehler ist, nach dem ersten Satz zu antworten — die zweite Aufgabe bezieht sich oft auf eine spätere Wendung.
- Sprachbausteine bei telc: Wer die Lücken mit Gefühl füllt, verliert 20 Punkte. Hier hilft Kollokationen zu lernen, nicht Regeln zu wiederholen.
- Schreiben: alle Inhaltspunkte sind Pflicht. Ein fehlender Punkt kostet mehr als drei kleine Grammatikfehler.
- Sprechen: Wer den Partner nicht einbezieht, verliert Punkte in der Interaktion. Die Aufgabe ist immer ein Gespräch, kein Vortrag.
Acht Wochen bis zur Prüfung
B1 ist in acht Wochen erreichbar, wenn du bereits auf A2 bist — nicht mit Vokabellisten, sondern mit Aufgaben. Ein Plan, der zu unseren Testsätzen passt:
| Woche | Schwerpunkt | Umfang |
|---|---|---|
| 1–2 | Lesen komplett | vier Testsätze, danach Fehler nach Aufgabentyp sortieren |
| 3–4 | Hören komplett | vier Testsätze; beim ersten Hören nur die Aufgabe, beim zweiten die Stelle im Transkript |
| 5–6 | Schreiben | sechs Texte, je nach Prüfung drei Aufgabentypen oder vier Leitpunkte |
| 7 | Sprechen | alle Teile laut, mit Partner oder Aufnahme; Präsentation zweimal halten |
| 8 | zwei vollständige Prüfungen | mit Zeit, Auswertung und Nachbereitung der schwächsten Teile |
Der Leseteil des ersten Testsatzes ist bei beiden Prüfungen kostenlos — bei Goethe und bei telc. Ein Durchgang zeigt dir in einer Stunde, ob acht Wochen realistisch sind oder ob du mehr Zeit brauchst.
Messen statt schätzen
Zehn vollständige Testsätze je Prüfung, Lösungen mit Begründung, vertonte Hörtexte und Sprechaufgaben mit Aufnahmefunktion. Ein Modul ist frei, ohne Konto.
Probeprüfung starten Goethe B1 ansehenHäufige Fragen zur B1-Prüfung
Ist Goethe B1 oder telc B1 besser?
Keine von beiden. Beide sind anerkannt und prüfen dasselbe Niveau. Der Unterschied liegt im Aufbau: Goethe prüft vier Module, die einzeln wiederholt werden können, telc prüft alles in einer Prüfung ohne Teilprüfungen. Frag im Zweifel dort nach, wo du den Nachweis einreichst.
Wie viele Punkte brauche ich für B1?
Goethe: 60 von 100 Punkten pro Modul. telc: 180 von 300 Punkten insgesamt. Bei telc gibt es keine Teilprüfungen — ein schwacher Teil lässt sich nicht durch einen starken ausgleichen, wohl aber durch die Summe.
Kann ich ein Modul wiederholen?
Bei Goethe ja: Jedes Modul ist eine eigene Prüfung und kann einzeln nachgeholt werden. Bei telc nein: Die Prüfung wird als Ganzes wiederholt.
Wie lange dauert die B1-Prüfung?
Goethe: 65 Minuten Lesen, 40 Minuten Hören, 60 Minuten Schreiben und 15 Minuten Sprechen, zusammen also 180 Minuten reine Prüfungszeit. telc: 50 Minuten Leseverstehen, 40 Minuten Sprachbausteine, 30 Minuten Hören, 30 Minuten Schreiben und 15 Minuten Sprechen.
Reicht B1 für die Einbürgerung?
In der Regel ja, B1 ist die übliche Voraussetzung. Ob dein Zertifikat im Einzelfall anerkannt wird, entscheidet die zuständige Behörde — kläre das vorher, nicht nach der Prüfung.
Wo melde ich mich an?
Bei Goethe über das Goethe-Institut oder einen Prüfungspartner, bei telc über ein Prüfungszentrum, häufig eine Volkshochschule oder Sprachschule. Eine Übersicht findest du auf unserer Seite mit den Prüfungsorten.