Goethe-Zertifikat C1 (modular, ab 2024) · C1
Goethe-Zertifikat C1 (modular, ab 2024): Modelltest mit Lösungen
Ein vollständiger Testsatz zum Lesen und Nacharbeiten: alle Teile, alle Aufgaben, jede Lösung mit Begründung. Interaktiv mit Zeit, Audio und Auswertung startest du denselben Satz über einen Klick.
- Lesen: 30 Aufgaben
- Hören: 30 Aufgaben
- Schreiben: 2 Aufgaben
- Sprechen: 2 Aufgaben
Lösungen sind eingeklappt. Die Aufgaben stammen aus unserem eigenen Bestand (10 Testsätze insgesamt), nicht aus offiziellen Modellsätzen.
Lesen · 65 Minuten
Lernen auf Kommando – Warum Betriebe ihre Erfahrenen übersehen
Im Takt der App – Reportage aus dem Lieferbetrieb
Fünf Stimmen zur Automatisierung
1 · (1) … erstellt Ranglisten, ______ die Personalabteilung nur noch die ersten zwanzig Plätze zur Kenntnis nimmt.
Lösung
b — Die Rangliste hat die Folge, dass nur die ersten zwanzig Plätze geprüft werden: „sodass“ leitet genau diese Konsequenz ein. „Wobei“ würde lediglich Gleichzeitigkeit markieren, „indem“ eine Methode und „sofern“ eine Bedingung.
1 · (2) Die Flut an Bewerbungen lässt sich so in kurzer Zeit ______, ohne dass zusätzliches Personal eingestellt werden muss.
Lösung
a — Eine Flut bewältigen ist die übliche Kollokation für eine kaum zu schaffende Menge; „überwinden“ verlangt ein Hindernis, „austragen“ einen Konflikt. „Erledigen“ wäre umgangssprachlich möglich, passt aber nicht zum Bild der Flut.
1 · (3) Wer glaubt, solche Systeme urteilten unbefangener als ein Mensch, ______ einem verbreiteten Irrtum auf.
Lösung
d — Die feste Wendung lautet einem Irrtum aufsitzen; nur „sitzen“ bildet sie mit „auf“. „Tappen“ verlangt in eine Falle, „stoßen“ verlangt auf etwas stoßen ohne Dativobjekt.
1 · (4) Wurden über Jahre vor allem Bewerbungen aus einem bestimmten Umfeld berücksichtigt, so ______ das Modell dieses Muster als Erfolgsrezept.
Lösung
c — Etwas als etwas begreifen ist die passende Fügung; das Muster wird als Erfolgsrezept eingeordnet. Verinnerlichen bräuchte kein „als“, „deuten“ würde eine interpretierende Person verlangen.
1 · (5) Eine Bewerberin mit ungewöhnlichem Lebenslauf ______ dann schnell ins Hintertreffen.
Lösung
b — Ins Hintertreffen geraten ist ein Funktionsverbgefüge und bedeutet, in Nachteil zu kommen. „Kommen“ und „laufen“ bilden die Wendung nicht, „fallen“ verlangt eine andere Präposition.
1 · (6) Unternehmen sind verpflichtet, ______ darüber zu geben, wie ihre Modelle zu welchem Ergebnis kommen.
Lösung
c — Auskunft darüber geben, wie … ist die geforderte Fügung. „Aufschluss“ steht mit „über etwas“ ohne „darüber“, „Bescheid“ wird mit einer Dativperson gebraucht.
1 · (7) In der Praxis zeigt sich, dass viele Betriebe dieser Pflicht nur zögernd ______.
Lösung
a — Einer Pflicht nachkommen steht mit Dativ und bezeichnet das Erledigen einer Verpflichtung. „Erfüllen“ verlangt hier den Akkusativ (die Pflicht erfüllen), „entsprechen“ und „folgen“ treffen die Bedeutung nicht.
1 · (8) Ein Verfahren, das niemandem Rechenschaft ablegt, ______ das Vertrauen, von dem es lebt.
Lösung
d — „Untergraben“ ist das Bild für ein langsames Zerstören von Vertrauen von innen; nur dieses Verb trägt die Bedeutung. „Entziehen“ bräuchte ein Dativobjekt, „verlieren“ würde das Vertrauen zum Objekt machen, das das Verfahren selbst besitzt.
2 · Was ergibt die Erhebung unter den mittelständischen Betrieben?
Lösung
c — Nur jedes dritte Unternehmen verfügt über einen verbindlichen Plan, in den meisten Häusern entscheidet zudem die Führungskraft im Einzelfall. Von Ablehnung ist keine Rede, eher von fehlender Systematik.
2 · Worin besteht der „Teufelskreis der Bewährten“?
Lösung
b — Gefördert werden die bereits als leistungsstark Geltenden; wer lange dieselbe Tätigkeit ausübt, wird seltener angesprochen. Der Kreislauf verstärkt sich, weil die Förderung die Bewertung „bewährt“ weiter bestätigt.
2 · Warum sprechen Vorgesetzte erfahrene Beschäftigte seltener an?
Lösung
a — Vorgesetzte scheuen das Risiko, eine eingespielte Abteilung für drei Wochen ohne ihre erfahrenste Kraft zu führen. Die Zurückhaltung folgt also aus dem Betriebsablauf, nicht aus dem Verhalten der Beschäftigten.
2 · Welche Folge hat dieses Muster für ältere Beschäftigte?
Lösung
b — Der Text stellt fest, dass Ältere genau dann keine Qualifizierung erhalten, wenn ihre Tätigkeit durch Software ersetzt werden könnte. Fehlende Förderung und höchster Anpassungsbedarf fallen also zusammen.
2 · Wie hat das Hotelunternehmen den Kreislauf nach eigener Darstellung durchbrochen?
Lösung
c — Zweimal jährlich finden Entwicklungsgespräche statt, die Teilnahme an Kursen gilt als Arbeitszeit, für die Abwesenheit wird eine Vertretung bezahlt. Entscheidend ist die Entkopplung von der Zustimmung der Vorgesetzten.
2 · Was räumt der Personalchef ein?
Lösung
a — Er sagt, das Vorgehen sei zunächst teuer gewesen; die Fluktuation in den betroffenen Abteilungen habe sich aber halbiert. Er bewertet die Investition im Rückblick also als erfolgreich.
2 · Welcher Befund widerspricht gängigen Annahmen?
Lösung
b — Abendkurse nach achtzehn Uhr und Wochenendangebote wurden kaum genutzt. Lernen funktioniert laut Fazit nur, wenn es in den Alltag passt – die übliche Auslagerung in die Freizeit greift also nicht.
3 · Lücke (1) – welcher Satz passt?
Lösung
a — Der Satz muss den Auftragseingang schildern, auf den die Zwölf-Minuten-Frist folgt. Nur „a“ beschreibt den Ton und die Anzeige auf dem Display.
3 · Lücke (2) – welcher Satz passt?
Lösung
b — An die Vorstellung der Gruppe schließt die rechtliche Einordnung an, die der nächste Satz mit „Arbeitsverhältnis“ aufnimmt. „b“ liefert diese Einordnung als Selbstständige ohne Urlaubsanspruch.
3 · Lücke (3) – welcher Satz passt?
Lösung
d — Nach der Beschreibung von Annahme und Ablehnung erklärt „d“ das zugrunde liegende Punktesystem. „c“ wäre eine Zusammenfassung, die erst nach mehreren Belegen trägt.
3 · Lücke (4) – welcher Satz passt?
Lösung
e — Auf „Die Fahrerinnen und Fahrer wissen das“ folgt sinnvoll, was sie daraus machen: Organisation und Dokumentation. „e“ führt genau dieses Handeln ein.
3 · Lücke (5) – welcher Satz passt?
Lösung
i — Der vorangehende Satz nennt die registrierte Untätigkeit, „i“ erklärt den Mechanismus der genehmigten Pausen. Es bleibt beim Thema Zeitmessung, ohne den Text zu wiederholen.
3 · Lücke (6) – welcher Satz passt?
Lösung
g — Die rechtliche Bewertung verlangt eine Institution, die sie vornimmt. „g“ nennt die Gewerkschaften und leitet zum Gegenargument der Unternehmen über.
3 · Lücke (7) – welcher Satz passt?
Lösung
c — Nach dem Hinweis auf Sanktionen fasst „c“ das Ergebnis zusammen: Druck entsteht durch Berechnung, nicht durch Anweisung. Der Satz schließt den Argumentationsgang ab.
3 · Lücke (8) – welcher Satz passt?
Lösung
h — Der Absatz nennt das Projekt, „h“ ergänzt Laufzeit und Begleitung, bevor mit Amir wieder eine Person in den Blick rückt. „j“ würde eine begründete Entscheidung behaupten, die der Schluss relativiert.
4 · Wer von Qualifizierung spricht, muss auch davon sprechen, dass erlerntes Wissen an Wert verliert.
Lösung
c — Larsen unterscheidet Entwertung von Ersetzung: Wissen verliert an Marktwert, ohne dass ein Kurs das ausgleicht. Sie fordert deshalb Aufwertung einfacher Tätigkeiten statt nur Aufstieg.
4 · Die Geschwindigkeit des Wandels wird in der öffentlichen Debatte überschätzt.
Lösung
d — Kovač hält die Vorstellung, Algorithmen würden ganze Berufe binnen weniger Jahre auslöschen, für unhaltbar. In seinen Daten verschieben sich Tätigkeiten schrittweise.
4 · Der drängendste Engpass ist nicht die Technik, sondern fehlendes Personal.
Lösung
d — Kovač sagt ausdrücklich, der eigentliche Engpass sei ein anderer: „Wir finden keine Leute.“ Damit verschiebt er den Fokus auf Zuwanderung und Arbeitszeit.
4 · Finanzielle Unterstützung scheitert an komplizierten Verfahren.
Lösung
b — Rüdiger beklagt Berater, Gutachten und ein halbes Jahr Geduld für einen Zuschuss von 15.000 Euro. Nicht die Technikkosten blockieren ihn, sondern die Förderbürokratie.
4 · Die Kosten der Anpassung sollen die Betriebe tragen, die von der neuen Technik profitieren.
Lösung
a — Behnisch fordert, wer mit Algorithmen Gewinne erziele, müsse für die Qualifizierung der Betroffenen aufkommen. Festgeschrieben in einem Tarifvertrag, nicht als freiwillige Leistung.
4 · Neue Tätigkeiten entstehen, sind für die Betroffenen aber oft nicht erreichbar.
Lösung
e — Aydin nennt neue Berufe, bezweifelt aber, dass ein Lagerarbeiter durch einen Kurs zum Datenanalysten wird. Daraus folgt ihre Forderung nach personengebundenen Qualifikationskonten.
4 · Nicht nur der Aufstieg in höher qualifizierte Arbeit, auch die Aufwertung einfacher Arbeit ist nötig.
Lösung
c — Larsen kritisiert die Fixierung auf Umschulung nach oben und verlangt, über Löhne, Anerkennung und Mitbestimmung bei der Systemeinführung zu sprechen. Nur diese Person vertritt die genannte Auffassung.
Hören · 40 Minuten
Podcast „Werkstattgespräche“ – Software im Handwerksbetrieb
Transkript
Moderatorin: Willkommen bei „Werkstattgespräche“. Heute geht es um Software in Handwerksbetrieben. Herr Ostermann, Sie beraten Betriebe mit weniger als zwanzig Beschäftigten. Wie ist die Lage? Ostermann: Ernüchternd, offen gesagt. Die Bereitschaft ist da, aber die Zeit fehlt. Ein Betrieb, der tagsüber zwölf Baustellen betreut, hat abends keine Stunde übrig, um drei Programme zu vergleichen. Deshalb entscheidet oft der Zufall, welche Software eingeführt wird. Moderatorin: Und was funktioniert dann trotzdem? Ostermann: Erstaunlich gut funktionieren Werkzeuge, die genau eine Aufgabe übernehmen. Ein Elektrobetrieb in Kassel lässt Angebotstexte aus Stichpunkten vorformulieren und spart nach eigener Rechnung sechs Stunden pro Woche. Der Meister prüft jedes Angebot, aber das Schreiben fällt weg. Moderatorin: Wo sind die Grenzen? Ostermann: Überall dort, wo gehaftet wird. Bei statischen Berechnungen, bei Elektroanschlüssen, bei Brandschutz: Da darf ein Modell nichts entscheiden. Wir haben einen Fall erlebt, in dem ein System eine Leitungslänge „optimiert“ hat – der Fehler fiel erst bei der Abnahme auf. Moderatorin: Und wie reagieren die Beschäftigten? Ostermann: Gemischt, aber anders als erwartet. Die Angst gilt weniger der Technik als der Dokumentation: Wenn jeder Handgriff erfasst wird, fühlt sich das nach Kontrolle an. Interessant ist, dass viele Monteure die Erfassung inzwischen selbst nutzen, weil sie ihnen die Nachweispflicht gegenüber Auftraggebern erleichtert. Moderatorin: Bleibt die Frage nach dem Geld. Ostermann: Die Anschaffung ist selten das Problem. Das Problem sind Betriebe, die Förderprogramme nicht finden, weil sie in drei verschiedenen Zuständigkeiten liegen. Ich kenne Häuser, die 40.000 Euro investiert und keinen Cent Zuschuss beantragt haben – nicht aus Desinteresse, sondern aus Erschöpfung. Moderatorin: Was müsste sich ändern? Ostermann: Die Ausbildung. In den Berufsschulen wird Software noch als Zusatzthema behandelt, dabei gehört sie in die Prüfungsordnung. Solange ein Azubi lernt, wie man ein Gewinde schneidet, aber nicht, wie man prüft, ob ein System plausibel rechnet, bilden wir für eine Welt aus, die es nicht mehr gibt.
Interview: Wie Software die Reihenfolge der Arbeit bestimmt
Transkript
Interviewerin: Frau Dr. Reimers, Sie untersuchen seit Jahren, wie digitale Systeme die Arbeit im Büro verändern. Was hat sich in den letzten zehn Jahren tatsächlich verändert? Reimers: Weniger, als die Werbung verspricht, und mehr, als die Betroffenen merken. Die große Automatisierungswelle ist ausgeblieben. Was zugenommen hat, ist die Taktung: Systeme schlagen vor, priorisieren, erinnern – und verschieben damit die Entscheidung darüber, was wichtig ist, von der Person zur Software. Interviewerin: Was heißt das konkret? Reimers: Eine Sachbearbeiterin, die früher selbst entschieden hat, welche Vorgänge dringend sind, bekommt heute eine Liste, die nach einem Score sortiert ist. Sie kann davon abweichen, aber sie muss es begründen. Damit ist die Abweichung erklärungsbedürftig und die Übernahme des Vorschlags der bequeme Weg. Interviewerin: Sie sprechen von „algorithmischer Lenkung“. Ist das nicht ein zu starker Begriff? Reimers: Ich halte ihn für präzise, weil niemand angeordnet hat, dass die Liste Vorrang hat. Es gibt keine Weisung, keinen Befehl, nur eine Oberfläche. Genau deshalb ist die Wirkung so schwer zu greifen – und so wirksam. Interviewerin: Wie reagieren Beschäftigte darauf? Reimers: Unterschiedlich. Ein Teil entwickelt erstaunliche Strategien, um die Vorgaben zu umgehen: Sie bearbeiten Vorgänge vor, damit sie im Score steigen, oder sie legen bewusst Puffer an. Andere ziehen sich zurück und machen nur noch, was die Liste hergibt. Beides ist rational, aber nur das erste erhält die Handlungsfähigkeit. Interviewerin: In Ihrem Buch empfehlen Sie den Betrieben, die Systeme zu „zähmen“. Was bedeutet das? Reimers: Drei Dinge. Erstens: Die Kriterien des Scores müssen offengelegt werden, nicht die Formel, aber die Logik. Zweitens: Es braucht einen Anteil an Vorgängen, der bewusst nicht priorisiert wird, damit Ermessen geübt bleibt. Drittens: Die Einführung muss mit denen verhandelt werden, die damit arbeiten – nicht über sie hinweg. Interviewerin: Und die Beschäftigten selbst? Reimers: Sie sollten aufhören, Software für neutral zu halten. Ein System, das Vorgänge sortiert, trifft eine Entscheidung über Wertigkeit. Wer das einmal verstanden hat, fragt anders nach: Wer hat das festgelegt, und wer haftet, wenn es falsch ist? Interviewerin: Frau Reimers, vielen Dank für das Gespräch.
Studiodiskussion: Bedingungsloses Grundeinkommen
Transkript
Halbach: Die Frage, um die es heute geht, lautet: Brauchen wir ein bedingungsloses Grundeinkommen, weil die Arbeit knapp wird? Ich habe dazu ein Gutachten vorgelegt. Ich beginne mit einer Einschränkung. Die bisherigen Modellversuche sagen weniger, als ihnen zugeschrieben wird. Die Summen waren zu klein, um Verhalten zu verändern, und die Laufzeit zu kurz, um Aussagen über Arbeitsentscheidungen zu treffen. Trotzdem halte ich die Richtung für richtig. Weigand: Da bin ich anderer Meinung, und zwar aus einem praktischen Grund. In den Versuchen haben sich Menschen beworben, die ohnehin bereit waren, über ihre Arbeit zu sprechen. Wer unter Druck steht, bewirbt sich nicht für ein Forschungsprojekt. Die Ergebnisse betreffen also eine Auswahl der Motivierten. Halbach: Das ist ein fairer Einwand, aber er trifft die Finanzierungsfrage nicht. Mein Modell rechnet mit der Abschaffung eines Großteils der bestehenden Transfers: Wohngeld, Kinderzuschlag, Teile der Grundsicherung. Was übrig bleibt, wird über eine höhere Abgabe auf hohe Kapitaleinkünfte gegenfinanziert. Weigand: Und genau diese Rechnung halte ich für eine Illusion. Sie setzt voraus, dass niemand sein Verhalten ändert: nicht die Vermieter, nicht die Arbeitgeber, nicht die Menschen, die heute Teilzeit arbeiten, weil sich mehr nicht lohnt. Außerdem spart der Staat weniger Verwaltung, als Sie annehmen – die Beratungsstellen verschwinden nicht, weil Menschen mit einem Bescheid allein gelassen werden. Ostrowski: Da möchte ich einhaken, weil ich diese Beratungsstellen beruflich kenne. Ich sehe jeden Tag Menschen, denen Geld fehlt – aber eben nicht nur Geld. Wer drei Jahre ohne Beschäftigung ist, hat keinen Tagesrhythmus, keine Termine, kein Netzwerk. Ein Betrag auf dem Konto löst das nicht. Halbach: Das bestreite ich nicht, und ich habe nie behauptet, ein Grundeinkommen ersetze soziale Arbeit. Meine These ist bescheidener: Es nimmt den Druck aus Entscheidungen, die heute aus Existenzangst getroffen werden – welche Stelle man annimmt, welche Weiterbildung man sich zutraut. Ostrowski: In der Praxis meiner Klientel wäre der Effekt kleiner, als Sie hoffen. Wer psychisch krank ist oder Schulden hat, kommt mit einem Formular nicht zurecht, auch wenn es ein einfacheres ist. Was ich bräuchte, wäre ein Anspruch, der nicht an Anträgen hängt, plus Begleitung. Weigand: Und ich bleibe dabei: Wenn wir etwas reformieren, dann gezielt. Eine negative Einkommensteuer erreicht genau die, die wenig verdienen, ohne dass wir Studenten und Gutverdienern einen Scheck schicken. Ostrowski: Wenn wir das machen, dann bitte als Modellversuch in zwei oder drei Kommunen, über fünf Jahre, mit Beratung im Paket und mit einer unabhängigen Auswertung. Alles andere ist Symbolpolitik. Halbach: Mit einem solchen Versuch könnte ich leben – wenn die Höhe des Betrags wirklich existenzsichernd ist. Ein Versuch, der zu niedrig ansetzt, wird wieder nichts beweisen.
Vortrag: „Die Angst vor der Maschine“ – Automatisierung in historischer Perspektive
Transkript
Guten Abend. Mein Vortrag trägt den Titel „Die Angst vor der Maschine“ und beginnt mit einer Beobachtung, die älter ist als die Informatik: Sobald eine Technik Arbeit übernimmt, entsteht die Sorge, dass Menschen überflüssig werden. Ich möchte in vier Schritten zeigen, dass diese Sorge nicht falsch, aber regelmäßig falsch adressiert war. Der erste Schritt führt ins Jahr 1930. Ein britischer Ökonom hielt damals fest, die Produktivität wachse schneller als der Bedarf an Arbeitskräften, und prognostizierte eine Arbeitswoche von fünfzehn Stunden. Die Prognose traf die Richtung, nicht das Ausmaß: Die Arbeitszeit sank, aber nicht so stark, weil mit dem Wohlstand neue Bedürfnisse entstanden – Bildung, Gesundheit, Unterhaltung, Beratung. Genau diese Fähigkeit, neue Nachfrage zu erzeugen, ist der Grund, warum einfache Rechnungen zur Automatisierung scheitern. Zweiter Schritt: die siebziger Jahre. Damals wurde die Einführung von Computern in Büros von einer Debatte begleitet, die der heutigen zum Verwechseln ähnlich sieht. Man befürchtete Massenarbeitslosigkeit bei Angestellten. Tatsächlich verschwanden ganze Tätigkeiten – Schreibbüros, Lochkartenabteilungen –, während die Zahl der Bürobeschäftigten insgesamt stieg. Was verschwand, war die Tätigkeit, nicht die Person: Die Betroffenen wechselten in Bereiche, in denen Urteilsvermögen gefragt war. Dritter Schritt, und hier wird es unangenehm: Der Ausgleich funktioniert nicht automatisch und nicht schnell. In den achtziger Jahren verloren in Teilen Nordenglands und im Ruhrgebiet Zehntausende ihre Arbeit in wenigen Jahren; die Regionen brauchten fast zwei Jahrzehnte, um neue Beschäftigung aufzubauen. Die Kosten trugen die, die am wenigsten Möglichkeiten hatten, den Wohnort zu wechseln. Wer über Automatisierung spricht, muss deshalb über regionale Ungleichzeitigkeit sprechen, nicht nur über Durchschnittswerte. Vierter Schritt: Was folgt daraus für heute? Erstens: Die Zahl der Arbeitsplätze ist die falsche Kennzahl; entscheidend ist, ob Menschen ihre Fähigkeiten in neue Aufgaben mitnehmen können. Zweitens: Übergänge brauchen Zeit, und Zeit kostet Geld – Weiterbildung in der Freizeit ist keine Lösung, sondern eine Verschiebung der Kosten auf die Betroffenen. Drittens: Die Geschichte lehrt Demut gegenüber Prognosen. Wer heute sagt, in zwanzig Jahren gebe es keine Buchhaltung mehr, wiederholt einen Satz, der schon vor fünfzig Jahren falsch war. Ich danke Ihnen.
1 · Die Einführung von Software scheitert häufig daran, dass Betriebe die Angebote nicht systematisch vergleichen können.
Lösung
a — Im ersten Abschnitt sagt Ostermann, es fehle die Zeit, drei Programme zu vergleichen, deshalb entscheide oft der Zufall. Genau das ist die Aussage.
1 · Die berufliche Ausbildung hinkt der technischen Entwicklung hinterher.
Lösung
f — Im letzten Abschnitt fordert er, Software in die Prüfungsordnung aufzunehmen. Sonst werde für eine Welt ausgebildet, die es nicht mehr gibt.
1 · Betriebe verzichten auf Förderung, weil die Antragswege zu unübersichtlich sind.
Lösung
e — Im fünften Abschnitt berichtet er von Betrieben, die 40.000 Euro investiert und keinen Zuschuss beantragt haben. Aus Erschöpfung, nicht aus Desinteresse.
1 · In Bereichen mit Haftung dürfen Systeme keine Entscheidung treffen.
Lösung
c — Der dritte Abschnitt nennt statische Berechnungen, Elektroanschlüsse und Brandschutz sowie den Fall der falsch berechneten Leitungslänge. Daraus folgt die Grenze.
1 · Am zuverlässigsten arbeiten Programme, die auf einen einzigen Arbeitsschritt begrenzt sind.
Lösung
b — Im zweiten Abschnitt betont er, erstaunlich gut funktionierten Werkzeuge, die genau eine Aufgabe übernehmen. Mit dem Beispiel der Angebotstexte.
1 · Die Skepsis der Beschäftigten richtet sich vor allem gegen die lückenlose Erfassung ihrer Arbeit.
Lösung
d — Im vierten Abschnitt heißt es, die Angst gelte weniger der Technik als der Dokumentation, die nach Kontrolle wirke. Das ist die Aussage.
2 · Was hat sich laut Reimers in den letzten zehn Jahren verändert?
Lösung
a — Nicht die Zahl der Stellen hat sich verändert, sondern die Taktung: Systeme priorisieren und verschieben damit die Entscheidung darüber, was wichtig ist. Nur diese Aussage gibt die Textstelle zutreffend wieder.
2 · Wie verändert sich die Arbeit der Sachbearbeiterin?
Lösung
b — Die Liste ist nach einem Score sortiert; abweichen darf sie, muss es aber begründen. Dadurch wird die Übernahme des Vorschlags zum bequemeren Weg.
2 · Warum hält Reimers den Begriff „algorithmische Lenkung“ für präzise?
Lösung
b — Es gibt keine Weisung, nur eine Oberfläche – die Liste wirkt, weil sie bequem ist. Diese Anordnungslosigkeit macht die Steuerung schwer greifbar und zugleich wirksam.
2 · Welche Reaktion der Beschäftigten erhält laut Reimers die Handlungsfähigkeit?
Lösung
a — Sie unterscheidet aktive Umgehung mit Vorarbeit und Puffern vom Rückzug auf das, was die Liste hergibt. Nur die erste Variante erhält die Handlungsfähigkeit.
2 · Was gehört nicht zu ihren drei Empfehlungen an Betriebe?
Lösung
c — Sie nennt Offenlegung der Logik, einen Anteil unpriorisierter Vorgänge und Verhandlung mit den Beschäftigten. Von Abschaffung ist keine Rede – ihr Ansatz ist Zähmung.
2 · Worauf zielt die dritte Empfehlung?
Lösung
a — Die Einführung soll mit denen verhandelt werden, die damit arbeiten. Damit verbindet sie technische Gestaltung mit Mitbestimmung im Arbeitsalltag.
2 · Welche Haltung empfiehlt sie den Beschäftigten?
Lösung
c — Ein System, das Vorgänge sortiert, trifft eine Entscheidung über Wertigkeit. Wer das versteht, fragt nach Urheberschaft und Haftung statt nach Bedienung.
2 · Wie ordnet Reimers die Reaktionen der Beschäftigten ein?
Lösung
c — Sie nennt beide Reaktionen rational, bewertet sie aber unterschiedlich: Umgehung erhält Handlungsfähigkeit, Rückzug gibt sie auf. Die anderen Optionen sind plausibel, aber nicht belegt.
2 · Was ist die zentrale Botschaft des Interviews?
Lösung
b — Von der Diagnose der algorithmischen Lenkung führt der Weg zu Offenlegung, Ermessen und Beteiligung. Systeme sind gestaltbar – das ist die Pointe.
3 · Wie bewertet Halbach die bisherigen Modellversuche?
Lösung
a — Sie sagt, die Summen seien zu klein gewesen, um Verhalten zu verändern, die Laufzeit zu kurz für Aussagen über Arbeitsentscheidungen. Trotzdem hält sie die Richtung für richtig.
3 · Was wendet Weigand gegen die Aussagekraft der Versuche ein?
Lösung
a — Er argumentiert, wer unter Druck stehe, bewerbe sich nicht für ein Forschungsprojekt. Die Ergebnisse beträfen daher eine Auswahl der Motivierten.
3 · Wie will Halbach die Finanzierung sichern?
Lösung
b — Sie rechnet mit dem Wegfall von Wohngeld, Kinderzuschlag und Teilen der Grundsicherung sowie einer höheren Abgabe auf hohe Kapitaleinkünfte. Der Umbau, nicht zusätzliche Schulden, ist ihr Modell.
3 · Worin besteht Weigands Haupteinwand gegen diese Rechnung?
Lösung
a — Er nennt Vermieter, Arbeitgeber und Menschen in Teilzeit, deren Verhalten sich ändern würde. Zusätzlich bezweifelt er, dass Verwaltung im angenommenen Umfang eingespart wird.
3 · Was beobachtet Ostrowski in ihrer Beratungspraxis?
Lösung
c — Sie beschreibt fehlenden Tagesrhythmus, fehlende Termine und fehlendes Netzwerk. Geld allein löse das nicht – daher ihr Vorbehalt gegen die Erwartung großer Effekte.
3 · Wie bewertet Ostrowski den Effekt eines Grundeinkommens für ihre Klientel?
Lösung
a — Wer psychisch krank ist oder Schulden hat, kommt auch mit einem einfacheren Formular nicht zurecht. Sie fordert deshalb einen Anspruch ohne Antrag plus Begleitung.
3 · Was fordert Ostrowski als Vorgehen?
Lösung
b — Sie verlangt zwei oder drei Kommunen, fünf Jahre Laufzeit, Beratung im Paket und unabhängige Auswertung. Alles andere nennt sie Symbolpolitik.
3 · Worin stimmen Halbach und Ostrowski am Ende überein?
Lösung
a — Halbach kann mit einem Modellversuch leben, wenn der Betrag existenzsichernd ist. Damit treffen sich ihre Position und Ostrowskis Forderung nach einem belastbaren Versuch.
4 · Was will der Vortragende mit dem historischen Rückblick zeigen?
Lösung
c — Er kündigt an, die Sorge sei nicht falsch, aber regelmäßig falsch adressiert gewesen. Der Rückblick dient also der Präzisierung, nicht der Beruhigung.
4 · Was traf die Prognose von 1930?
Lösung
b — Die Arbeitszeit sank, aber nicht auf fünfzehn Stunden, weil mit dem Wohlstand neue Bedürfnisse entstanden. Deshalb stimmt die Richtung, nicht das Ausmaß.
4 · Warum scheitern einfache Rechnungen zur Automatisierung?
Lösung
c — Bildung, Gesundheit, Unterhaltung und Beratung sind die Bereiche, in denen neue Nachfrage entstand. Diese Fähigkeit zur Nachfrageerzeugung unterläuft einfache Rechnungen.
4 · Was geschah laut Vortrag in den siebziger Jahren?
Lösung
c — Schreibbüros und Lochkartenabteilungen verschwanden, die Gesamtzahl der Bürobeschäftigten stieg jedoch. Verschwunden sei die Tätigkeit, nicht die Person.
4 · Was zeigt das Beispiel Nordenglands und des Ruhrgebiets?
Lösung
a — Zehntausende verloren in wenigen Jahren ihre Arbeit, der Aufbau neuer Beschäftigung dauerte fast zwei Jahrzehnte. Die Kosten trugen die, die nicht umziehen konnten.
4 · Welche Kennzahl hält er für ungeeignet?
Lösung
a — Entscheidend sei, ob Menschen ihre Fähigkeiten in neue Aufgaben mitnehmen können. Die reine Zahl der Stellen sagt darüber nichts.
4 · Wie bewertet er Weiterbildung in der Freizeit?
Lösung
a — Zeit koste Geld, und Weiterbildung in der Freizeit verschiebe diese Kosten auf die Betroffenen. Damit ist sie für ihn keine Lösung, sondern eine Umverteilung nach unten.
Schreiben · 75 Minuten
Forumsdiskussion „Arbeit 4.0“
1 · Schreiben Sie einen Beitrag für das Forum „Arbeit 4.0“. Nehmen Sie Stellung zu der Aussage, Unternehmen sollten Bewerbungen wieder selbst sichten. Begründen Sie Ihre Position, erklären Sie, was algorithmische Vorauswahl leistet, führen Sie mindestens ein Beispiel an und wägen Sie Vor- und Nachteile ab (ca. 230 Wörter).
Modellantwort im Lösungsteil.
Modellantwort
2 · Ihr Betrieb möchte Weiterbildung für Beschäftigte über 50 verbessern. Schreiben Sie eine E-Mail an die Weiterbildungsbeauftragte Ihres Unternehmens: Stellen Sie sich und Ihr Anliegen vor, begründen Sie, warum die Zielgruppe bisher zu wenig berücksichtigt wird, schlagen Sie zwei konkrete Maßnahmen vor und fragen Sie nach Kosten und Zeitplan (ca. 120 Wörter).
Modellantwort im Lösungsteil.
Modellantwort
Sprechen · 20 Minuten
Diskussionsimpuls: Erreichbarkeit nach Feierabend
1 · Halten Sie einen Vortrag zum Thema „Algorithmen als Vorgesetzte – wie sollte die Arbeitswelt darauf reagieren?“ (ca. 5 Minuten). Nutzen Sie die Stichpunkte, sprechen Sie frei und beantworten Sie anschließend zwei Nachfragen.
2 · Diskutieren Sie mit Ihrer Partnerin bzw. Ihrem Partner: Soll es ein Recht auf Nichterreichbarkeit nach Dienstschluss geben? Beziehen Sie sich auf den Impuls und nutzen Sie die vier Stichpunkte. Reagieren Sie auf die Argumente Ihres Gegenübers und versuchen Sie, ein gemeinsames Ergebnis zu formulieren.
Denselben Satz mit Zeit und Auswertung
Punkte je Abschnitt, Begründung je Aufgabe, Urteil gegen die Bestehensgrenze.