Vier Tage arbeiten, fünf bezahlen – ein Handwerksbetrieb wagt den Versuch
Vier Tage arbeiten, fünf bezahlen – ein Handwerksbetrieb wagt den Versuch
Als die Geschäftsleitung vor zwei Jahren vorschlug, die Arbeitszeit bei gleichem Lohn auf vier Tage zu verkürzen, war die Skepsis im Team groß. Viele befürchteten, dass die Aufträge in der kürzeren Zeit nicht mehr zu schaffen wären und am Ende alle unter Druck geraten würden. (1) ____
Inzwischen sind achtzehn Monate vergangen, und nur zwei von vierundzwanzig Beschäftigten möchten zum alten Modell zurückkehren. Entscheidend war weniger die Zahl der Arbeitstage als die Frage, wie die Arbeit organisiert wird. (2) ____ Wer morgens als Erste in der Werkstatt steht, prüft die Materialliste und verteilt die dringenden Aufträge, sodass niemand auf Anweisungen warten muss.
Die Kundschaft hat den Wechsel erstaunlich gelassen aufgenommen. (3) ____ Termine werden seither konsequent am Telefon bestätigt, und für Notfälle gibt es eine Bereitschaftsnummer, die monatlich wechselt.
Kritisch bleibt der Blick auf die Kosten. (4) ____ Dafür sinken die Krankheitstage deutlich, und die Suche nach Auszubildenden ist erheblich leichter geworden, seit der Betrieb mit dem Modell öffentlich wirbt.
Ob sich das Modell auf größere Unternehmen übertragen lässt, darüber streiten die Beteiligten bis heute. (5) ____ Wer jedoch mit einem kleinen Team arbeitet und bereit ist, eingefahrene Abläufe grundsätzlich infrage zu stellen, findet in dem Versuch brauchbare Hinweise.