Homeoffice ohne Regeln? Warum klare Absprachen die Stimmung retten
Homeoffice ohne Regeln? Warum klare Absprachen die Stimmung retten
Seit drei Jahren arbeitet das Softwareunternehmen Nordlicht in Riedbach hybrid: zwei Tage im Büro, drei Tage zu Hause. Eine interne Umfrage unter 400 Beschäftigten, die im Frühjahr durchgeführt wurde, zeigt ein überraschendes Bild. Nicht die Zahl der Homeoffice-Tage belastet die Mitarbeitenden, sondern die Unklarheit darüber, wann jemand erreichbar sein muss. Fast zwei Drittel der Befragten gaben an, abends noch Nachrichten zu beantworten, weil sie befürchteten, sonst als wenig engagiert zu gelten.
Die Geschäftsleitung hat darauf reagiert und zum 1. Juni feste Kernzeiten eingeführt: Zwischen zehn und fünfzehn Uhr sollen alle erreichbar sein, davor und danach bleibt die Einteilung den Teams überlassen. Wer in dieser Zeit nicht antworten kann, muss eine kurze Abwesenheitsnotiz hinterlassen; eine Begründung ist nicht erforderlich.
In der Praxis wird die Regel unterschiedlich gelebt. Zwei Teams haben die Kernzeit auf den frühen Nachmittag verschoben, weil ihre Kunden in anderen Zeitzonen sitzen; die Personalabteilung hat das ausdrücklich genehmigt. Andere Gruppen halten weiterhin an langen Videokonferenzen am Vormittag fest, was der erklärten Absicht widerspricht, Zeit für konzentriertes Arbeiten zu schaffen.
Ein weiterer Streitpunkt ist die Ausstattung. Das Unternehmen stellt einen Bildschirm und eine Tastatur für den Arbeitsplatz zu Hause, nicht aber einen höhenverstellbaren Schreibtisch. Wer darüber hinaus etwas anschaffen möchte, erhält einen Zuschuss von 150 Euro pro Jahr, der allerdings versteuert werden muss.
Die Autorin dieser Zeilen hat sechs Wochen lang mitgearbeitet und dabei vor allem eines gelernt: Regeln ersetzen kein Vertrauen. Sie schaffen aber einen Rahmen, in dem Verlässlichkeit nicht vom guten Willen einzelner Führungskräfte abhängt.