Schreiben

Brief schreiben B1: Aufbau, Redemittel und die Fehler, die Punkte kosten

28. Oktober 2026 · 4 Min Lesezeit · telc

Welcher Brief in welcher Prüfung verlangt wird

„Brief schreiben B1" ist nicht eine Aufgabe, sondern drei verschiedene — je nach Prüfung. Wer das verwechselt, übt die falsche Textsorte. Die Unterschiede sind in den offiziellen Vorgaben festgelegt:

PrüfungZeitWas verlangt wird
telc Deutsch B130 Minuten eine E-Mail oder ein Brief zu vier Leitpunkten, halbformell oder formell
Goethe-Zertifikat B160 Minuten, 3 Aufgaben informelle E-Mail (ca. 80 Wörter), Diskussionsbeitrag (ca. 80 Wörter), formelle E-Mail (ca. 40 Wörter)
DTZ (A2·B1)30 Minuten eine Mitteilung im formellen Register — du wählst zwischen Aufgabe A und Aufgabe B

Gemeinsam ist allen drei: Es gibt Inhaltspunkte, und die werden einzeln bewertet. Nicht die Länge entscheidet, sondern ob du jeden Punkt verständlich und im passenden Register behandelst.

Der Aufbau in vier Schritten

Ein Brief, der alle Punkte bringt, ist selten ein schöner Brief. Ein Brief, der schön klingt und einen Punkt vergisst, verliert Punkte. Deshalb diese Reihenfolge:

  1. Anrede. Formell: „Sehr geehrte Frau Weber," / „Sehr geehrter Herr Yilmaz,". Halbformell: „Guten Tag Frau Weber,". Informell: „Liebe Anna,". Falsche Anrede ist der teuerste Fehler, weil sie den Ton der ganzen Aufgabe kippt.
  2. Einstieg mit dem Anlass. Ein Satz, der sagt, warum du schreibst: „Ich schreibe Ihnen, weil ich meinen Termin am 12. Mai nicht wahrnehmen kann." Kein Vorgeplänkel.
  3. Die Inhaltspunkte. Ein Punkt, ein bis zwei Sätze — in der Reihenfolge der Aufgabenstellung. Absätze helfen der lesenden Person und dir selbst: Du siehst sofort, ob ein Punkt fehlt.
  4. Schluss und Gruß. Formell: „Mit freundlichen Grüßen" plus Name. Halbformell: „Freundliche Grüße". Informell: „Liebe Grüße" plus Vorname. Ein fehlender Gruß kostet Punkte in der kommunikativen Gestaltung.
Merksatz aus dem Unterricht: Vier Punkte, vier Absätze, ein Gruß. Wer das einhält, hat die Aufgabenbewältigung fast sicher im grünen Bereich.

Redemittel, die in jeder Prüfung funktionieren

Diese Sätze sind absichtlich schlicht. Sie sind grammatisch sicher, höflich und passen in fast jede Aufgabe — und sie kosten dich keine Denkzeit in der Prüfung.

FunktionFormellInformell
Anlass nennenIch schreibe Ihnen, weil …Ich wollte dir schnell schreiben, weil …
um etwas bittenKönnten Sie mir bitte … ? / Ich möchte Sie bitten, …Kannst du mir … ? / Wäre super, wenn du …
sich entschuldigenLeider muss ich mich bei Ihnen entschuldigen: …Tut mir leid, dass …
etwas vorschlagenIch würde vorschlagen, dass … / Wie wäre es, wenn …Wie wäre es, wenn wir …? / Hast du Lust, …?
nachfragenKönnten Sie mir bitte mitteilen, ob …?Sag mir bitte kurz Bescheid, ob …
sich bedankenVielen Dank im Voraus für Ihre Rückmeldung.Danke schon mal und liebe Grüße

Die fünf Fehler, die am meisten Punkte kosten

  1. Ein Inhaltspunkt fehlt. Der häufigste Grund für Punktverlust — und der einfachste, ihn zu vermeiden: die Punkte vor dem Schreiben als Stichworte notieren und nach dem Schreiben abhaken.
  2. Du und Sie gemischt. Wer mit „Sehr geehrte Damen und Herren" beginnt und später „kannst du mir" schreibt, verliert in der kommunikativen Gestaltung. Entscheide dich vor dem ersten Satz.
  3. Kein Gruß, kein Name. Ein Brief ohne Abschluss wirkt abgebrochen.
  4. Zu lang, dann abgeschnitten. Wer 200 Wörter schreibt, wo 80 verlangt sind, macht mehr Fehler. Kürzer und vollständig ist besser als lang und lückenhaft.
  5. Auswendig gelernte Textbausteine ohne Bezug. Ein Satz wie „Ich hoffe, Sie bald zu sehen" in einer Beschwerde über eine Rechnung zeigt, dass der Text nicht zur Aufgabe gehört — das zählt als nicht bewältigt.

Zeitplan: 30 Minuten sind genug

Wer die Aufgabe sofort losschreibt, verliert am Ende die Hälfte der Punkte an Formatfehler. Besser:

  • Minute 0–5: Inhaltspunkte als Stichworte notieren, Anrede und Register festlegen.
  • Minute 5–25: schreiben, ein Absatz pro Punkt.
  • Minute 25–30: prüfen: alle Punkte da? Verbposition im Nebensatz? Großschreibung der Anredepronomen („Sie", „Ihnen")? Gruß und Name?

Eine echte Aufgabe, damit du siehst, was gemeint ist

So sieht eine Aufgabe im DTZ aus — zwei Varianten zur Wahl, beide formell:

Aufgabe A: Sie sind neu in der Stadt und möchten einen Termin bei der Ausländerbehörde. Sie brauchen den Termin, weil Ihr Aufenthaltstitel bald abläuft. Schreiben Sie eine E-Mail an die Ausländerbehörde.

Aufgabe B: Sie haben einen Termin bei der Ausländerbehörde verpasst, weil Sie krank waren. Schreiben Sie eine E-Mail und entschuldigen Sie sich.

Beide Aufgaben verlangen dasselbe Gerüst: Anrede, Anlass, ein bis zwei konkrete Angaben, eine Bitte, Gruß. Der Unterschied liegt im Ton — bei Aufgabe B kommt eine Entschuldigung dazu, bei Aufgabe A eine Begründung. Wer das erkennt, schreibt beide Varianten in derselben Zeit.

Checkliste vor der Abgabe

  • Anrede passend zum Empfänger und mit Komma?
  • Alle Inhaltspunkte genannt — abgehakt?
  • Ein Register durchgehalten (du oder Sie)?
  • Gruß und Name am Ende?
  • „Sie"/„Ihnen" großgeschrieben?
  • Verben im Nebensatz am Ende?

Wenn du diesen Bogen einmal mit einer echten Aufgabe durchgehst, brauchst du ihn danach nicht mehr — dann sitzt die Reihenfolge. Genau das ist das Ziel: In der Prüfung soll deine Aufmerksamkeit bei der Sprache liegen, nicht bei der Frage, wie ein Brief aufgebaut wird.

Diesen Brieftyp selbst schreiben

Im Schreibteil bekommst du Punkte je Kriterium, eine Begründung und eine Modellantwort — auf Wunsch für jede Aufgabe eines vollständigen Testsatzes.

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