Forum „Arbeitsort“: Wie viel Homeoffice ist sinnvoll?
Vier Berufstätige berichten, wie sie mit der Mischung aus Büro und Heimarbeit umgehen.
a) Anja Rehberg, Grafikerin: Ich arbeite seit sechs Jahren überwiegend zu Hause und möchte es nicht anders. Entscheidend ist für mich ein eigener Raum mit einer Tür, die sich schließen lässt; seit ich den habe, fällt es mir leicht, Feierabend zu machen. Was mich ärgert: Viele Betriebe messen immer noch Anwesenheit. Dabei sollte bewertet werden, was am Ende herauskommt. Wer zu Hause keinen Platz hat, ist im Büro allerdings besser aufgehoben – das wird oft übersehen.
b) Tobias Lehnert, Teamleiter in der Logistik: Bei uns lässt sich höchstens die Hälfte der Arbeit von zu Hause erledigen, weil wir im Lager präsent sein müssen. Wir haben deshalb zwei feste Tage eingeführt, an denen alle im Betrieb sind. Seitdem laufen Absprachen wieder schneller, und neue Kolleginnen bekommen mit, wie wir arbeiten. Starre Quoten halte ich trotzdem für falsch; wer eine Aufgabe allein erledigen kann, soll das tun dürfen.
c) Miriam Osei, Personalreferentin: Ob Heimarbeit funktioniert, hängt weniger vom Ort als von der Führung ab. Wer nur kontrolliert, verliert die Leute. In Bewerbungsgesprächen fragen fast alle nach flexiblen Modellen, und wir haben darauf reagiert. Wichtig ist eine Betriebsvereinbarung, die festhält, wann jemand erreichbar sein muss. Sonst entstehen Konflikte, die niemand offen anspricht.
d) Jonas Pabst, Berufseinsteiger im öffentlichen Dienst: Laut Vertrag dürfte ich zwei Tage zu Hause arbeiten, tatsächlich ist es einer, weil mein Antrag seit Wochen bei der Personalstelle liegt. Dabei lerne ich im Büro viel mehr: Ich höre mit, wie erfahrene Kollegen telefonieren, und bekomme mit, was gerade wichtig ist. Trotzdem zählt für mich Vertrauen mehr als Kontrolle.