Goethe-Zertifikat C1 (modular, ab 2024) · C1

Goethe-Zertifikat C1 (modular, ab 2024) — Hören Teil 2

Interview mit Experten: Aussagen und Details verstehen

  • 9 Aufgaben
  • 40 Minuten für den Abschnitt
  • 100 Punkte
  • aus 10 Testsätzen

3 echte Aufgabe(n) aus Testsatz goethe_c1_ts01 sind unten abgedruckt — mit Lösung zum Aufklappen.

Strategie für diesen Teil

Die richtige Antwort ist fast immer eine Umschreibung, kein wörtliches Zitat. Wer nach dem Wort aus der Frage sucht, tappt in die Falle.

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Interview: Wie Software die Reihenfolge der Arbeit bestimmt

Sie hören ein Interview mit der Arbeitspsychologin Dr. Reimers über digitale Steuerung im Büro. Sie hören den Text zweimal.
Transkript (wie im Hörtext gesprochen)

Interviewerin: Frau Dr. Reimers, Sie untersuchen seit Jahren, wie digitale Systeme die Arbeit im Büro verändern. Was hat sich in den letzten zehn Jahren tatsächlich verändert? Reimers: Weniger, als die Werbung verspricht, und mehr, als die Betroffenen merken. Die große Automatisierungswelle ist ausgeblieben. Was zugenommen hat, ist die Taktung: Systeme schlagen vor, priorisieren, erinnern – und verschieben damit die Entscheidung darüber, was wichtig ist, von der Person zur Software. Interviewerin: Was heißt das konkret? Reimers: Eine Sachbearbeiterin, die früher selbst entschieden hat, welche Vorgänge dringend sind, bekommt heute eine Liste, die nach einem Score sortiert ist. Sie kann davon abweichen, aber sie muss es begründen. Damit ist die Abweichung erklärungsbedürftig und die Übernahme des Vorschlags der bequeme Weg. Interviewerin: Sie sprechen von „algorithmischer Lenkung“. Ist das nicht ein zu starker Begriff? Reimers: Ich halte ihn für präzise, weil niemand angeordnet hat, dass die Liste Vorrang hat. Es gibt keine Weisung, keinen Befehl, nur eine Oberfläche. Genau deshalb ist die Wirkung so schwer zu greifen – und so wirksam. Interviewerin: Wie reagieren Beschäftigte darauf? Reimers: Unterschiedlich. Ein Teil entwickelt erstaunliche Strategien, um die Vorgaben zu umgehen: Sie bearbeiten Vorgänge vor, damit sie im Score steigen, oder sie legen bewusst Puffer an. Andere ziehen sich zurück und machen nur noch, was die Liste hergibt. Beides ist rational, aber nur das erste erhält die Handlungsfähigkeit. Interviewerin: In Ihrem Buch empfehlen Sie den Betrieben, die Systeme zu „zähmen“. Was bedeutet das? Reimers: Drei Dinge. Erstens: Die Kriterien des Scores müssen offengelegt werden, nicht die Formel, aber die Logik. Zweitens: Es braucht einen Anteil an Vorgängen, der bewusst nicht priorisiert wird, damit Ermessen geübt bleibt. Drittens: Die Einführung muss mit denen verhandelt werden, die damit arbeiten – nicht über sie hinweg. Interviewerin: Und die Beschäftigten selbst? Reimers: Sie sollten aufhören, Software für neutral zu halten. Ein System, das Vorgänge sortiert, trifft eine Entscheidung über Wertigkeit. Wer das einmal verstanden hat, fragt anders nach: Wer hat das festgelegt, und wer haftet, wenn es falsch ist? Interviewerin: Frau Reimers, vielen Dank für das Gespräch.

Aufgaben aus dem ersten Testsatz

Echte Aufgaben aus unserem Bestand — nicht aus einem offiziellen Modellsatz. Die Lösungen sind eingeklappt, damit du erst selbst antworten kannst.

Teil · Was hat sich laut Reimers in den letzten zehn Jahren verändert?

  • a Systeme beeinflussen, was als wichtig gilt.
  • b Beschäftigte arbeiten deutlich weniger Stunden.
  • c Berufe im Büro wurden weitgehend automatisiert.
Lösung und Begründung

a — Nicht die Zahl der Stellen hat sich verändert, sondern die Taktung: Systeme priorisieren und verschieben damit die Entscheidung darüber, was wichtig ist. Nur diese Aussage gibt die Textstelle zutreffend wieder.

Teil · Wie verändert sich die Arbeit der Sachbearbeiterin?

  • a Sie verliert den Zugriff auf die Vorgangsliste.
  • b Sie muss Abweichungen von der vorgegebenen Reihenfolge begründen.
  • c Sie entscheidet wieder selbst über die Dringlichkeit.
Lösung und Begründung

b — Die Liste ist nach einem Score sortiert; abweichen darf sie, muss es aber begründen. Dadurch wird die Übernahme des Vorschlags zum bequemeren Weg.

Teil · Warum hält Reimers den Begriff „algorithmische Lenkung“ für präzise?

  • a Weil der Begriff in der Forschung eingeführt ist.
  • b Weil die Wirkung ohne Anordnung entsteht und deshalb schwer zu fassen ist.
  • c Weil es klare Anweisungen der Vorgesetzten gibt.
Lösung und Begründung

b — Es gibt keine Weisung, nur eine Oberfläche – die Liste wirkt, weil sie bequem ist. Diese Anordnungslosigkeit macht die Steuerung schwer greifbar und zugleich wirksam.

In der App bekommst du zu jeder Aufgabe eine Begründung, Punkte umgerechnet auf die offiziellen Abschnittspunkte und ein Urteil gegen die Bestehensgrenze.

Weitere Teile dieser Prüfung

Lesen Teil 1

8 Aufgaben · Text rekonstruieren, Lückentext mit 4-gliedriger MC (populärwissenschaftlicher Artikel)

Lesen Teil 2

7 Aufgaben · Hauptaussagen und Einzelinformationen verstehen (Zeitschriftenartikel)

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Sprechen Teil 1

2 Aufgaben · Vortrag zu gewähltem Thema vor Publikum mit Stichpunkten, 4 Sprachfunktionen, Nachfragen beantworten · freie Diskussion zu kontroverser Frage mit Inputtext und vier Stichpunkten

Diesen Teil unter echter Zeit üben

Mit Audio, Zeitdruck und Auswertung je Aufgabe.

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